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Muss mein Unternehmen auf Künstliche Intelligenz (KI) setzen, um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu sein? Diese Frage stellen sich immer mehr Unternehmen. Spätestens mit dem durch ChatGPT ausgelösten Hype um generative KI-Modelle, die in Sekundenschnelle Texte schreiben oder wie DALL-E und Midjourney anhand kurzer Beschreibungen Bilder generieren, ist KI im Bewusstsein vieler Menschen und Unternehmen angekommen. Laut einer repräsentativen Umfrage des IT-Branchenverbands Bitkom sehen 68 Prozent der Unternehmen KI als die wichtigste Zukunftstechnologie. Allerdings gibt auch fast ein Drittel der Befragten an, KI sei ein massiv überschätzter Hype. Nachfolgend erfahren Sie, warum beide Positionen zwar nachvollziehbar sind, es sich aber dennoch gerade für kleine und mittlere Unternehmen lohnt, mit der eigenen KI-Reise zu beginnen.
Wieso kann Künstliche Intelligenz als wichtigste Zukunftstechnologie und zugleich als überschätzter Hype angesehen werden? Die schnelle Antwort: Künstliche Intelligenz kann als wichtigste Zukunftstechnologie angesehen werden, weil sie in nahezu allen Bereichen neue Anwendungen bietet, zugleich aber auch die an sie herangetragenen Erwartungen oft nicht sofort beziehungsweise nicht ohne weitere Entwicklungen erfüllen kann.
So bietet Künstliche Intelligenz bereits heute Lösungen, die Unternehmen bei der Umsetzung ihrer Ziele unterstützen: Chatbots leisten rund um die Uhr Kundensupport, Finanzdienstleister bewerten KI-basiert Risiken und erkennen automatisiert Betrugsversuche. Es gibt KI-Anwendungen für die Vorhersage von Lagerbeständen und den richtigen Zeitpunkt für Wartungen von Maschinen, Lieferketten und Produktionsabläufe lassen sich ebenso mithilfe von KI optimieren wie Energie- und Ressourcenverbräuche. Und das sind nur einige wenige Beispiele von zahllosen anderen.
Zum überschätzten Hype wird KI mitunter aber in einzelnen Ausprägungen. Deutlich machen lässt sich das mit dem Hype-Cycle-Modell für technische Innovationen. Demzufolge erhalten technologische Innovationen häufig in der ersten Phase ihres Bekanntwerdens die höchste Aufmerksamkeit. Auslöser dafür ist ein potenzieller technologischer Durchbruch. Von diesem Punkt aus schießen die Erwartungen meist ins Unermessliche, bis die neue Technologie den „Gipfel der überzogenen Erwartungen“ erklimmt. In der Öffentlichkeit kursieren dann etliche Erfolgsversprechen. Da diese immer weniger haltbar sind, stürzt die Innovation rasch vom „Gipfel der Erwartungen“ ins „Tal der Enttäuschungen“. Während sich in dieser Phase viele von der neuen Technologie abwenden, machen andere unbeirrt weiter, sammeln Erfahrungen und finden so zum „Pfad der Erleuchtung“. Die Innovation wird nun immer besser verstanden und effizient zum Nutzen von Unternehmen eingesetzt. An diesem Punkt beginnt die Innovation zum Mainstream zu werden: Sie hat das „Plateau der Produktivität“ erreicht, ihr Einsatz erweist sich in relevanten Märkten als rentabler Wettbewerbsvorteil.
Bei KI war der Auslöser, der die große Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf diese Technologie lenkte, die Veröffentlichung von ChatGPT Ende des Jahres 2022. Obwohl es sich dabei nur um einen Teilbereich von KI handelt – namentlich die generative KI, die auf Aufforderung selbstständig neue Inhalte wie Texte, Bilder und Musik generieren kann – wurde ChatGPT schnell zum Symbol für alles, was als KI bezeichnet werden kann. Während sich generative KI-Anwendungen aber überwiegend noch immer auf dem „Gipfel der überzogenen Erwartungen“ befinden, haben andere KI-Modelle und -Anwendungen längst das „Tal der Enttäuschungen“ durchschritten, das „Plateau der Produktivität“ erklommen oder sind auf dem besten Weg dazu. Daher lohnt es sich auch für mittelständische Unternehmen, sich bereits jetzt mit KI zu beschäftigen und die eigene KI-Journey zu starten oder fortzusetzen und auszubauen.
Künstliche Intelligenz im Mittelstand
Künstliche Intelligenz ermöglicht es, große Datenmengen schnell zu verarbeiten, wiederkehrende Aufgaben zu automatisieren und komplexe Entscheidungsprozesse zu unterstützen. Damit bietet KI kleinen und mittleren Unternehmen wesentliche Vorteile:
Effizienzsteigerung: KI kann Geschäftsprozesse effizienter gestalten, Produkte schneller und kostengünstiger entwickeln und neue Absatzmärkte erschließen. Routineaufgaben lassen sich automatisieren und damit Fachkräfte entlasten. Durch bessere Planung und die Minimierung von Abfall beziehungsweise Verschwendung werden Ressourcen geschont – KI bietet so auch Potenziale für mehr ökologische Nachhaltigkeit.
Personalisierung: Durch KI können KMU ihre Angebote präzise auf die Bedürfnisse ihrer Kundschaft zuschneiden, was zu höherer Kundenzufriedenheit und stärkerer Kundenbindung führt.
Erschließen neuer Geschäftsmodelle: KI ermöglicht neue, datenbasierte Geschäftsmodelle wie etwa Product-as-a-Service (PaaS), bei dem das Produkt nicht verkauft, sondern als Dienstleistung angeboten wird.
Bislang nutzen KMU die Potenziale von KI jedoch nur wenig, und die Einführung von KI-Anwendungen bleibt im Mittelstand auf einem niedrigen Niveau. Laut Bitkom-Studie ist der Einsatz von KI für über die Hälfte der Unternehmen noch immer kein Thema.
Hemmnisse bei der KI-Einführung für KMU
Die Kurzstudie „Künstliche Intelligenz im Mittelstand“ führt neben den Potenzialen von KI für KMU auch Hindernisse und Hemmnisse auf, die im Mittelstand erst überwunden werden müssen, um von KI zu profitieren:
Fachkräftemangel beziehungsweise fehlendes Spezialwissen: KMU haben häufig Schwierigkeiten, qualifizierte Mitarbeitende zu finden oder die bestehende Belegschaft durch Schulungen und Weiterbildung dazu zu befähigen, KI-Projekte umzusetzen. Viele Unternehmen erkennen daher nicht die Potenziale des KI-Einsatzes in ihrem Betrieb oder können KI-Projekte nicht erfolgreich auf den Weg bringen.
Fehlende Datenbasis: Ein Großteil der KI-Anwendungen benötigt spezifische, qualitativ hochwertige Daten aus dem eigenen Unternehmen. Diese werden aber häufig noch nicht erfasst oder nicht so gemanagt, dass sie der KI-Anwendung zur Verfügung gestellt werden können.
Gestiegene Finanzierungskosten und Investitionsprioritäten: Gestiegene Kosten für Rechnerleistung und die Verschiebung der Investitionsprioritäten aufgrund aktueller Krisen erschweren KMU die Finanzierung von KI-Vorhaben.
(Daten-)Sicherheitsbedenken: Obwohl Fortschritte bei der (Daten-)Sicherheit erzielt werden konnten, bleiben Sicherheitsbedenken ein Hemmnis. Zunehmendes Wissen und Vertrauen in Cloud-Anbieter, die für KI-Anwendungen genutzt werden, haben jedoch zu einer positiven Entwicklung beigetragen.
Weitere Hemmnisse: Ebenfalls eine Rolle spielen die mangelnde Sensibilisierung der Geschäftsführung, das Fehlen von mehrwertbringenden Anwendungsmöglichkeiten, Rechtsunsicherheit und regulatorische Hürden. Für KMU wirkt sich dabei vor allem das fehlende Bewusstsein für die Potenziale von KI-Lösungen als Hemmnis aus, während die anderen Themen von den für die Kurzstudie befragten Expertinnen und Experten als weniger relevant eingestuft werden.
Diese Hemmnisse verweisen auf einen Bedarf von kleinen und mittleren Unternehmen an Qualifikationsmaßnahmen, einer strategischen Datenmanagement- und Verarbeitungskompetenz sowie einer Sensibilisierung für die Potenziale von KI. Die Mittelstand-Digital Zentren bieten daher gezielte Unterstützungen an, mit denen KMU diese Hürden überwinden und die Chancen der KI nutzen können.
In diesem Themenhub finden Sie eine Reihe von Artikeln zu zentralen Themen und Fragen, die Sie bei der Einführung von KI in Ihrem Unternehmen begleiten werden:
„Wie KI-ready ist Ihr Unternehmen? Antworten bietet der KI-Readiness-Check“ – stellt Ihnen das Konzept der „KI-Readiness“ vor, anhand dessen Sie abschätzen können, welche Voraussetzungen Ihr Unternehmen bereits erfüllt und was vor der KI-Einführung noch zu tun ist. Vertiefend gehen wir dabei auch darauf ein, wie Sie die für KI-Anwendungen notwendige Datenbasis schaffen.
„KI-Anwendungen für KMU in der Praxis“ – zeigt anhand ausgewählter Projektbeispiele aus unterschiedlichen Branchen und Bereichen, wie KMU bereits KI-Technologien für vielfältige Anwendungsgebiete nutzen und in die Praxis umgesetzt haben.