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Technologieakzeptanz
Von Prof. Dr. Joachim Zülch, Inhaber des Lehrstuhls für Industrial Sales Engineering Ruhr Universität Bochum und Konsortialleiter des Mittelstand-Digital-Projekts eBauen
Einleitung
Prof. Dr. Joachim Zülch, Inhaber des Lehrstuhls für Industrial Sales Engineering an der Ruhr Universität Bochum, stellt wissenschaftliche Ansätze vor, mit denen die Akzeptanz der Mitarbeiter für digitale Produktionstechnologien und Arbeitsmittel gefördert werden kann.
Akzeptanz ist immer ein Thema in Unternehmen – besonders jedoch bei strukturellen und technischen Veränderungen, wie sie der Einzug der Digitalisierung in ein Unternehmen mit sich bringt. Was nützt ein Assistenzsystem für die Produktion, wenn Mitarbeiter es ablehnen oder nicht anwenden? Die Wissenschaft liefert Ansätze, mit denen die Akzeptanz für digitale Produktionstechnologien und Arbeitsmittel gefördert werden kann.
Um zu verstehen, wie und wodurch die Akzeptanz unterstützt wird, muss zunächst der komplexe Begriff selbst definiert werden: Akzeptanz meint die Bereitschaft, einen Gegenstand, hier: eine Veränderung, billigend hinzunehmen. Sie ist damit ein Schlüsselfaktor für den Erfolg oder Misserfolg einer (digitalen) Innovation. Ob additive Fertigungsverfahren oder vernetzte Produktion: Alle Innovationen führen zu weitreichenden organisatorischen und personellen Veränderungen; sie wandeln die Arbeit selbst. Diese Veränderung nehmen Menschen unterschiedlich wahr und zeigen verschiedene Reaktionen: von Begeisterung bis zu verdecktem oder gar offenem Widerstand. Hier greift der Effekt der Verlustaversion: Beteiligte, die durch eine Veränderung einen Verlust erwarten, werden diese immer heftiger bekämpfen als jene, die sich einen "Gewinn" versprechen. Und das ist völlig normal! Führungskräfte sollten Widerstand deshalb als Signal nehmen, bei der Akzeptanz nachzubessern.
Nutzen schafft Technologieakzeptanz
Technologieakzeptanz erstreckt sich im Idealfall auf die Einstellung, das Verhalten und das Handeln der Mitarbeiter. Sie führt dazu, dass sie die Technologie nutzen. Doch wie schafft man das? Warum Menschen eine Technologie akzeptieren oder sie ablehnen, hängt vor allem von ihrem wahrgenommenen Nutzen ab. Je stärker der wahrgenommene Nutzen, desto größer die Akzeptanz. Ein ganzes Bündel an Faktoren wirkt auf diese Wahrnehmung ein. Vor allem die wahrgenommene Bedeutung der Technologie für den eigenen Job spielt eine entscheidende Rolle. Mitarbeiter beurteilen, ob sie eine Hilfe ist oder eher droht, den eigenen Job zu ersetzen. Die Wahrnehmung des Nutzens wird auch durch die erste Anwendung der Technologie geprägt. Unabhängig von der Frage, ob das Ergebnis und seine Qualität euphorisch aufgenommen oder kritisch beäugt werden - die ersten eigenen Erfahrungen der Mitarbeiter beeinflussen ihre Bewertung des Nutzens und damit auch die Akzeptanz der Technologie.
Ein weiterer Punkt: Technologien müssen leicht zu bedienen sein - um Selbstvertrauen zu schenken, Spaß zu bereiten und einen spielerischen Umgang mit der Technik aus eigenem Antrieb heraus zu fördern. Ob eine Technologie als nützlich oder überflüssig wahrgenommen wird, hängt also von vielen Faktoren ab. Das macht es nicht einfacher, bietet dafür aber genügend Ansatzpunkte, um den Nutzen der Technologie für die Mitarbeiter zu identifizieren, klar zu kommunizieren und in der Praxis zu realisieren.
Jeden einzeln überzeugen
Dazu noch ein Hinweis: Gerne wird immer von "dem Menschen" gesprochen, aber den gibt es "leider" nicht in einer DIN-, EU- oder ISO-normierten Form (Gott - oder der Natur - sei Dank). Er zeigt sich in den unterschiedlichen Formen und Facetten - auch im Umgang mit der digitalen Technologie. In jeder Firma gibt es Mitarbeiter, die als "Surfer" vorn auf der digitalen Welle reiten. Andere bewegen sich langsamer auf sie zu, wie Schnorchler. Wieder andere harren ähnlich Inselbewohnern skeptisch-zurückhaltend der neuen Dinge, die da kommen. Und manche werden einfach mitgerissen. Diese unterschiedlichen Typen sind dann noch eingebettet in die spezifischen Generationen. Insofern kommt es darauf an, jeden Menschen in seiner "spezifischen Bauart" zu kennen und seine Bedürfnisse wertzuschätzen. Dafür müssen Unternehmer ihre Mitarbeiter kennen - und genau hier sind kleine und mittlere Unternehmen mit ihrem persönlicheren Arbeitsumfeld gegenüber großen, anonymen Konzernen klar im Vorteil.