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Viele Unternehmen in Deutschland haben das ungute Gefühl, bei Software und digitalen Dienstleistungen von wenigen großen Anbietern abhängig zu sein, ohne dass echte Alternativen bereitzustehen scheinen. Eine neue Kurzstudie der Begleitforschung Mittelstand-Digital zeigt, dass es bereits echte europäische Alternativen gibt und Unternehmen beim Umstieg auf Unterstützung zählen können. Dieser Blogbeitrag gibt einen Überblick über die verfügbaren Optionen und die Erfolgsfaktoren für mehr digitale Souveränität.

Drei Kategorien von Alternativen

Die Studie unterscheidet drei Kategorien, die sich in Lizenzmodell, Anbieterunabhängigkeit und den Anforderungen an die eigene IT-Kompetenz unterscheiden.

Open-Source-Software bietet Transparenz durch einsehbaren Quellcode und reduziert Anbieterabhängigkeiten. Lizenzkosten entfallen, und offene Formate erleichtern einen späteren Wechsel. Auch im Bereich Künstlicher Intelligenz entstehen offene Alternativen – etwa das im BMWE-geförderten Projekt OpenGPT-X entwickelte Sprachmodell Teuken-7B, das mit Daten in allen 24 EU-Amtssprachen trainiert wurde. Allerdings erfordern Einrichtung, Anpassung und Wartung von Open-Source-Lösung IT-Kompetenz – Support muss intern geleistet oder separat eingekauft werden.

Kostenpflichtige europäische Software berücksichtigt europäische Regulierungsanforderungen, bietet professionellen Support und deutschsprachige Ansprechpersonen. Der Einstieg ist oft niedrigschwelliger als bei Open-Source, weil Einrichtung und Betrieb vom Anbieter übernommen werden. Preislich liegen diese Lösungen häufig auf dem Niveau etablierter Anbieter, bieten aber transparentere Kostenstrukturen ohne schwer kalkulierbare Zusatzentgelte. Das EuroStack Directory Project verschafft mit rund 60 Technologiekategorien und mehreren hundert Lösungen einen umfassenden Überblick über bestehende Angebote.

Souveräne Cloud-Lösungen betreffen eine eigenständige Souveränitätsentscheidung: Auch eine Open-Source-Anwendung verliert an Souveränitätsvorteilen, wenn sie auf einer Cloud betrieben wird, die einer außereuropäischen Gesetzgebung unterliegt. Inzwischen sind europäische Cloud-Angebote verfügbar, die funktional vergleichbar mit außereuropäischen Lösungen sind und die Datenhoheit beim Kunden belassen. Initiativen wie Gaia-X, die 8ra-Initiative mit 29 Cloud-Projekten in Deutschland und der BSI-Kriterienkatalog C5 liefern dafür die Grundlagen.

Migration ist machbar – mit realistischer Planung

Auch für KMU ist die Studie Umstellung auf souveräne Lösungen grundsätzlich machbar, erfordert aber sorgfältige Planung. So ist die Kompatibilität mit etablierten Programmen nicht immer vollständig gegeben, und die Integration in bestehende IT-Landschaften kann aufwendig sein. Die Studie empfiehlt KMU eine modulare Migrationsstrategie, die kritische Systeme priorisiert und Kompatibilität frühzeitig testet. Eine vollständige Umstellung auf einen Schlag ist weder notwendig noch ratsam. Kleinere Schritte – etwa der Wechsel des E-Mail-Dienstes oder die Erprobung eines Open-Source-Office-Pakets in einer Abteilung – können den Einstieg erleichtern. Schließlich ist es insbesondere für Unternehmen mit begrenzten Ressourcen zentral, sich beim Umstieg begleiten zu lassen. Die Mittelstand-Digital Zentren bieten KMU, die digital souveräner werden wollen, bereits ein breites Spektrum an Workshops, Informationsmaterialien und Praxisbeispielen zu verschiedenen Aspekten der digitalen Souveränität.